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Person: Sarti, Cathleen (Autor) 
  
Titel: Monarchenabsetzungen im frühneuzeitlichen Nordeuropa
  
Dokument:
100003084.pdf (3.257 KB) PDF
Quelle: Mainz : Univ. 381 Seiten
Erscheinungsjahr:    2019
URN: urn:nbn:de:hebis:77-diss-1000030847
  
Dokumentart:
Buch Buch
Weitere Angaben zur Dokumentart:    Dissertation
Sprache: Deutsch
Open Access: OpenAccess
Einrichtung: Historisches Seminar
DDC-Sachgruppe:    Geschichte Europas
ID: 100003084  Universitätsbibliothek Mainz
Hinweis:
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Abstract: Absetzungen von Monarchen waren in der Vormoderne aufgrund der Herrschaftsvorstellungen vom Gottesgnadentum, welches gerade im 16. und 17. Jahrhundert intensiv diskutiert wurde, eigentlich nicht denkbar, geschweige denn durchführbar. Monarchenabsetzungen waren nach dem Gottesgnadentum gegen den Willen Gottes, und auch in der Herrschaftspraxis waren diese weder durch das Recht noch durch ein mögliches Verfahren abgedeckt. Dennoch fanden Absetzungen statt; im 16. und 17. Jahrhundert sogar in einem Viertel aller monarchischen Herrschaften in den vier Königreichen Dänemark-Norwegen, England, Schottland und Schweden. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie Absetzungen legitimiert und vollzogen wurden und was diese für das vormoderne Herrschaftsverständnis bedeuteten.
Dazu wurden die Elemente der Konfliktform „Absetzung“ herausgearbeitet, ein Phasenmodell erstellt, die Akteure näher untersucht, Handlungen, Legitimationen und Formen von Absetzungen in den Blick genommen und schließlich abgewägt, inwieweit Akteure auch auf nicht-kontrollierbare Dynamiken reagieren mussten. Insgesamt ließ sich dabei festhalten, dass Angehörige der herrschenden Dynastie Monarchen absetzten, die nicht mehr von der Mehrheit der Bevölkerung (aktiv) unterstützt wurden. Absetzungen waren kurz- und mittelfristige Reaktionen auf die (wahrgenommene) Politik oder das Verhalten des Monarchen, die in landesspezifischen Formen des Treueentzugs, der erzwungenen Abdankung oder der Erhebung von Gegenkönigen durchgeführt wurden. Neben bewussten Handlungen der Akteure konnten dabei unkontrollierbare Gruppendynamiken, Kommunikationsverhalten, Emotionen sowie Naturereignisse eine Rolle spielen.
Die vergleichende Untersuchung der nordeuropäischen Monarchenabsetzungen zeigte diese als Kristallisationspunkte von Staatsbildung: Absetzungen führten zum einen zur innenpolitischen Konsolidierung und wirkten staatsbildend durch Zwang zur Artikulation, Neu-Verhandlung und Präsentation von Herrschaftsvorstellungen, die als spezifisch für das Königreich angesehen wurden. Zum anderen wirkten Absetzungen staatsbildend durch die Neuordnung des politischen Zusammenlebens, z.B. mit Parlamenten als Ort der Herrschaftsaushandlung, durch die Aufwertung einer politischen Öffentlichkeit bis hin zum Mob, durch neue Gesetzgebung und konfessionelle Einigung. Weiterhin zeigte sich, dass in Konfliktsituationen Vorstellungen von Gottesgnadentum eine deutlich geringere Rolle spielten als die Idee konsensualer Herrschaft.
   
Weiteres Abstract: Despite the common assumption that premodern depositions, i.e. the removal of a monarch against his or her will by his subjects, are unusual and not even thinkable since they go against the dominant concept of divine rule of kings, they happened quite often. In fact, in Sweden between 1501 and 1599 four of six kings were deposed. On the British Isles, this relation was less but still roughly a quarter of British monarchs were deposed between 1500 and 1700. Until now, depositions as a certain type of political conflict, or as a certain type of event, have not been analysed for the early modern period, and also not for Northern Europe.
One key question followed from the assumption that contemporaries as well as historians believe the concept of divine right of kings to be the dominant concept of monarchical rule, which would make depositions against God’s will. Taking a close look at the official legitimations of depositions reveals that in times of crisis concepts of tradition, rule of law, and political consensus are much more influential than the divine right of kings.
A second key question about the role of deposition in the development of monarchical rule emphasized the need for questioning and discussing different political ideas. As such, depositions were a form of political conflict which pushed forward the state formation process through domestic consolidation.
The comparative analysis of the depositions in Northern Europe made it possible to identify several common factors of how depositions worked. In regards to political culture, early modern depositions showed how ideas of institutionalised monarchy (meaning, the concept of belonging to a certain kingdom with specific laws and tradition instead of a more personal relationship between a monarch and his subjects), the rise of parliaments as place for political discussion and conflict (instead of the royal court or the battlefield), and the growing importance of middle- and lower classes became more influential since the late sixteenth century.
   
  
Verfügbarkeit prüfen:    URN (urn:nbn:de:hebis:77-diss-1000030847)
 


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