Hilgenstock, Benjamin: Demokratie, good governance und Entwicklung: Eine quantitative Analyse für 191 Staaten im Zeitraum 1996 bis 2005
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Person: Hilgenstock, Benjamin (Autor) 
  
Titel: Demokratie, good governance und Entwicklung: Eine quantitative Analyse für 191 Staaten im Zeitraum 1996 bis 2005
  
Dokument:
2033.pdf (1.351 KB) PDF
Freie Schlagwörter (Englisch): autocratic regime public sector management control corruption rule law information transparency accountability autocracy legal framework
Quelle: Mainz : Univ.
Erscheinungsjahr:    2008
URN: urn:nbn:de:hebis:77-20338
  
Dokumentart:
Buch Buch
Weitere Angaben zur Dokumentart:    Prüfungsarbeit
Sprache: Deutsch
Open Access: OpenAccess
Einrichtung: FB 02: Sozialwissenschaften, Medien und Sport
DDC-Sachgruppe:    Politik
ID: 2033  Universitätsbibliothek Mainz
Hinweis:
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Abstract: Das Jahr 1989 markiert nicht nur den Beginn entscheidender geopolitischer Veränderungen, sondern gleichzeitig den Ursprung eines bedeutsamen Wandels in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Mit der viel beachteten Studie ‚Sub-Saharan Africa – From Crisis to Sustainable Growth’ initiierte die Weltbank
eine Debatte über die Relevanz institutioneller Faktoren für wirtschaftliche Entwicklung, die in den folgenden Jahren unter dem Titel ‚Good Governance’ erhebliche Bedeutung erlangte. Nahezu alle zentralen Akteure begannen, entsprechende Aspekte in ihrer praktischen Arbeit zu berücksichtigen, und entwickelten eigene Konzepte zu dieser Thematik. Wenn auch mit der Konzentration auf Institutionen als Entwicklungsdeterminanten eine grundlegende Gemeinsamkeit der Ansätze festzustellen ist, unterscheiden sie sich jedoch erheblich im Hinblick auf die Einbeziehung politischer Faktoren, so dass von einem einheitlichen Verständnis von ‚Good Governance’ nicht gesprochen werden kann. Während die meisten bilateralen Akteure sowie DAC und UNDP Demokratie und Menschenrechte explizit als zentrale Bestandteile betrachten, identifiziert die Weltbank einen Kern von Good Governance, der unabhängig von der Herrschaftsform, also sowohl in Demokratien wie auch in Autokratien, verwirklicht werden kann. Die Implikationen dieser
Feststellung sind weit reichend. Zunächst erlaubt erst diese Sichtweise der Bank überhaupt, entsprechende Aspekte aufzugreifen, da ihr eine Berücksichtigung politischer Faktoren durch ihre Statuten verboten ist. Bedeutsamer ist allerdings, dass die Behauptung der Trennbarkeit von Good Governance und der Form politischer Herrschaft die Möglichkeit eröffnet, Entwicklung zu erreichen ohne eine demokratische Ordnung zu etablieren, da folglich autokratische Systeme in gleicher Weise wie Demokratien in der Lage sind, die institutionellen Voraussetzungen zu verwirklichen, welche als zentrale Determinanten für wirtschaftlichen Fortschritt identifiziert wurden. Damit entfällt nicht nur ein bedeutsamer Rechtfertigungsgrund für demokratische Herrschaft als solche, sondern rekurrierend auf bestimmte, dieser zu attestierende, entwicklungshemmende Charakteristika können Autokratien nun möglicherweise als überlegene Herrschaftsform verstanden werden, da sie durch jene nicht gekennzeichnet sind. Die Schlussfolgerungen der
Weltbank unterstützen somit auch die vor allem im Zusammenhang mit der Erfolgsgeschichte der ostasiatischen Tigerstaaten vertretene Idee der Entwicklungsdiktatur, die heute mit dem Aufstieg der Volksrepublik China eine Renaissance erlebt. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Staaten ist danach auf die überlegene Handlungsfähigkeit autokratischer Systeme zurückzuführen, während Demokratien aufgrund der Verantwortlichkeitsbeziehungen zwischen Regierenden und Regierten nicht in der Lage sind, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen.
Die dargestellte Sichtweise der Weltbank ist allerdings von verschiedenen Autoren in Zweifel gezogen worden, die auch für ein im Wesentlichen auf technische Elemente beschränktes Good Governance-Konzept einen Zusammenhang mit der Form politischer Herrschaft erkennen. So wird beispielsweise vertreten, das Konzept der Bank bewege sich ausdrücklich nicht in einem systemneutralen Vakuum, sondern propagiere zumindest implizit die Etablierung demokratischer
Regierungsformen. Im Übrigen steht die aus den Annahmen der Weltbank neuerlich abgeleitete Idee der Entwicklungsdiktatur in einem erheblichen Widerspruch zu der von multilateralen wie bilateralen Akteuren verstärkt verfolgten Förderung demokratischer Herrschaft als Mittel für wirtschaftliche Entwicklung sowie der fortschreitenden Verbreitung der Demokratie. Besteht nun doch ein Einfluss der Herrschaftsform auf die Verwirklichung von Good Governance als zentraler Entwicklungsdeterminante und kann zudem davon ausgegangen werden, dass Demokratien diesbezüglich Vorteile besitzen, dann ist eine Entwicklungsdiktatur keine denkbare Möglichkeit, sondern im Gegenteil demokratische Herrschaft der gebotene Weg zu wirtschaftlichem Wachstum bzw. einer Verbesserung der Lebensverhältnisse.
Aufgrund der mit den Schlussfolgerungen der Weltbank verbundenen bedeutsamen Implikationen und der bisher weitestgehend fehlenden ausführlichen Thematisierung dieses Gegenstands in der Literatur ist eine detaillierte theoretische
Betrachtung der Zusammenhänge zwischen den zentralen Elementen von Good Governance und demokratischer Herrschaft notwendig. Darüber hinaus sollen die angesprochenen Beziehungen auch einer empirischen Analyse unterzogen werden. Gegenstand dieser Arbeit ist deshalb die Fragestellung, ob Good Governance eine von demokratischer Herrschaft theoretisch und empirisch unabhängige Entwicklungsstrategie darstellt.
   
Weiteres Abstract: The year 1989 has not only brought the beginning of crucial geopolitical transformations after a period of confrontation that lasted for more than four decades but simultaneously the rise of a significant change in the international development cooperation. With the famous study ‘Sub-Saharan Africa – From Crisis to Sustainable Growth’, the World Bank initiated a debate on the relevance of
institutional factors for economic development which obtained remarkable importance in the subsequent years under the title ‘good governance’. Virtually all central actors started to consider such aspects and heed them in their practical work, among them the Bretton-Woods-organizations World Bank and International Monetary Fund (IMF), the United Nations Development Programme (UNDP), the Development Assistance Committee (DAC) of the OECD and a multitude of bilateral players. But although there was an essential consensus about the concentration on institutions as determinants for development, the concepts differ considerably regarding the inclusion of political factors. Therefore it is not possible to assume that there is an undivided understanding of ‘good governance’. Whereas most of the bilateral actors as well as DAC and UNDP explicitly regard democracy and human rights as central elements, the World Bank defines a core of good governance that is independent from the form of political rule and therefore
possible to achieve in both democracies and autocracies.
The implications of this ascertainment are far reaching. First of all, this perception actually permits the bank to include institutional aspects in its work since their articles of agreement prohibit political factors to be taken into account. But more relevant is that the idea that good governance can be separated from the form of political rule provides the opportunity to achieve development without the establishment of a democratic order, since autocratic regimes are in the same way as democracies able to realize the necessary preconditions which have been identified as central determinants for economic progress. As a consequence, not only does an important justification for democracy itself vanish, but referring to certain characteristics of democratic regimes that are seen to repress development, autocracies can perhaps be identified as the superior form of rule. The World Bank’s conclusions therefore also support the idea of an undemocratic
developmentalist state which evolved in the context of the East Asian tigers’ success stories and is of relevance today because of China’s economic rise. Accordingly, the prosperity of these countries can be traced back to the predominant capacity to act while democracies are not able to reach the necessary decisions and to implement inevitable policies because of the accountability relations between the branches of government and the people. In addition, to assume that certain factors relevant for development are independent from the form of political regime has further consequences. It is now possible for extern players and for affected countries, to boost economic development without being confronted with the difficulties of a change in the system, explicitly the redemption of an autocratic regime and the institutionalization and consolidation of a democracy. Furthermore, autocratic rulers cannot stabilize their leadership by satisfying the needs of the population without starting a political change.
nBut the World Bank’s view is far from being undisputed. A multitude of authors recognize multifaceted connections between the form of political rule and good governance, even though the latter is limited to technical aspects. For example, the bank’s concept is regarded as not neutral relative to the form of rule and implicitly propagating a democratic regime. For the rest, the idea of an undemocratic developmentalist state stands in clear contradiction to the spread of democracy in the 1990s as a part of the third wave of democratization and to the promotion of democracy by multilateral and bilateral players as a means for economic development. If there is actually an influence of the form of political rule on those institutional factors identified as central determinants for development and if an advantage of democracies can be found, then a developmentalist autocracy is no viable possibility. Far from it, democracy could then be seen as the appropriate path to economic growth and an improved living
standard.
Because of the meaningful implications of the World Bank’s conclusions and since there is no detailed study of this subject in scientific literature, a detailed theoretical as well as empirical analysis of the relationship between democracy and good governance is necessary. The question if good governance is a development strategy that is theoretically and empirically independent from democratic rule therefore is discussed in this paper.
   
  
Verfügbarkeit prüfen:    URN (urn:nbn:de:hebis:77-20338)
 


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