Gutenberg Qualify


Titelanzeige

Person: Hoffmann, Jörg (Autor) 
  
Titel: Medeae Medea forem! : zur Euripidesrezeption Ovids in den Heroides
  
Dokument:
3410.pdf (2.541 KB) PDF
Freie Schlagwörter (Deutsch): Ovid , Heroides , Euripides , Tragödie , Intertextualität
Freie Schlagwörter (Englisch): Ovid , Heroides , Euripides , tragedy , intertextuality
Quelle: Mainz : Univ. 308 S.
Erscheinungsjahr:    2009
URN: urn:nbn:de:hebis:77-34106
  
Dokumentart:
Buch Buch
Weitere Angaben zur Dokumentart:    Dissertation
Sprache: Deutsch
Open Access: OpenAccess
Einrichtung: Seminar für Klassische Philologie
DDC-Sachgruppe:    Griechische Literatur
ID: 3410  Universitätsbibliothek Mainz
Hinweis:
Informationen zu den Nutzungsrechten unserer Inhalte Informationen zu den Nutzungsrechten unserer Inhalte
Abstract: In den Briefen 4, 6, 11 und 12 der Heroides hat Ovid direkt oder indirekt Figuren des Mythos zum Gegenstand seiner Dichtung gemacht, die den zeitgenössischen wie auch den heutigen Rezipienten insbesondere durch
Tragödien des Euripides bekannt sind. Die zu Beginn dieser Arbeit dazu durchgeführte historische Analyse der grundsätzlichen Bedingungen der Rezeption der Tragödien des Euripides in der Zeit Ovids zeigt, dass der römische Dichter für ein intertextuelles Dichten in den Heroides die Werke des griechischen Tragikers als Prätexte nutzen konnte, da die Rezipienten über die theoretische und praktische Kompetenz verfügten, entsprechende Verweisungen zu identifizieren, diese in einem Prozess der intertextuellen Lektüre zu dekodieren und den Text auf diese Weise zu interpretieren. Eine Beschreibung dieses antiken literarischen Kommunikationsprozesses zwischen Ovid und seinen Rezipienten erfolgt dabei mit den Mitteln einer für die Euripidesrezeption Ovids konkretisierten Intertextualitätstheorie (Kapitel A.I und II). Die ausführlichen Interpretationen zu den Heroides-Briefen 12, 6, 4 und 11 sowie zur Rezeption des Medea-Prologs in verschiedenen Gedichten Ovids (Kapitel B.I bis V) zeigen, dass der römische Dichter
verschiedene Formen intertextueller Verweisungen nutzt, um in den bekannten Geschichten von Medea, Hypsipyle, Phaedra und Canace bislang ungenutztes narratives Potential zu entdecken und auf dieser Grundlage eine alte Geschichte neu zu erzählen. Das in der Forschung bereits vielfach beschriebene Prinzip Ovids des idem aliter referre ist in den untersuchten Texten konkret darauf ausgerichtet, die aus den Tragödien bekannten Heroinen in einer bestimmten Phase ihrer Geschichte zu Figuren einer elegischen Welt werden zu lassen. Diese neu geschaffene elegische Dimension einer ursprünglich tragischen Geschichte dient dabei nicht einer umwertenden Neuinterpretation der bekannten tragischen Figur. Vielmehr lässt Ovid seine Briefe zu einem Teil des Mythos werden, zu einem elegischen Vorspiel der Tragödie, die einen durch Euripides vorgegebenen Rahmen des Mythos erweitern und damit zugleich zentrale Motive der tragischen Prätexte vorbereiten. Ovid gestaltet aus, was in dem von Euripides initiierten Mythos angelegt ist,
und nutzt das elegische Potential der tragischen Erzählung, um das Geschehen und vor allem die Heroine selbst in seinem Brief zur Tragödie hinzuführen. Damit bereitet Ovid in den Heroides die weitere Entwicklung der äußeren tragischen Handlung vor, indem er vor allem eine innere Entwicklung der von ihm geschaffenen Briefschreiberin aufzeigt und auf diese Weise jeweils aus einer von ihm geschaffenen elegischen Frau jene tragische Heldin werden lässt, die den Rezipienten aus der jeweiligen Tragödie des Euripides bekannt ist. Die sich daraus notwendigerweise ergebenden Spannungen und Interferenzen zwischen den Erwartungen der Rezipienten und der Realität der von Ovid neu gestalteten Figur in ihrem elegischen Kontext werden von dem römischen Dichter produktiv genutzt und durch die im Text initiierte Entwicklung aufgehoben. So scheinen dann letztlich aus den Elegien Ovids die Tragödien des Euripides hervorzugehen.
   
Weiteres Abstract: In the epistles 4, 6, 11 and 12 of Heroides, Ovid used, directly or indirectly, figures and situations in Greek mythology that were well-known to readers through the tragedies written by Euripides. In the first section of this thesis the perception of Euripidean tragedies in the Augustan age is described. Based on modern literary theories, means of interpretation are developed within this dissertation to describe Ovid’s use of Euripidean dramas. The extensive interpretations which are presented in the second part concerning Heroides 12, 6, 4, 11 and also the prologue to the Euripidean tragedy of Medea used in various Ovidean poems all show that the Roman poet used his characteristic technique of idem aliter referre to narrate the widely known myths of Medea, Hypsipyle, Phaedra and Canace in a new, elegiac way. Thus, Ovid placed each heroine in an elegiac and pre-tragic setting which he developed
in language and in content taken directly from the Euripidean tragedies. The tension between the elegiac and the tragic figure and between the expectation of the reader and the reality of the heroine was used by Ovid to create a new development in an old story. Focusing especially on the psychological disposition of the four heroines writing elegiac letters Ovid transformed them into the tragic women created by Euripides. When the epistles end, the heroines leave the elegiac Ovidean world exactly at the point, at which the Euripidean tragedy begins.
   
  
Verfügbarkeit prüfen:    URN (urn:nbn:de:hebis:77-34106)
 


Im   
Impressum