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URN: urn:nbn:de:hebis:77-39756


Wilde, Sandra

Populationsgenetik kupfer- und bronzezeitlicher Bevölkerungen der osteuropäischen Steppe

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Kurzfassung in

Mit der vorliegenden Arbeit wurden erstmals prähistorische Bevölkerungsstrukturen in der osteuropäischen Steppe von der Oberthrakischen Tiefebene bis zur Wolga populationsgenetisch untersucht. Mit Multiplex-PCR und 454-Sequencing wurden von 65 kupfer- und bronzezeitlichen Individuen die Hypervariable Region I und 30 Abschnitte der coding region der mitochondrialen DNA analysiert. Außerdem wurden bis zu 20 putativ selektierte autosomale SNPs und ein geschlechtsspezifischer Locus genotypsiert. Zu Vergleichszwecken wurden veröffentlichte prähistorische DNA-Daten aus Westeurasien und moderne DNA-Sequenzen herangezogen. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass frühneolithische Bauern aus Südosteuropa durch demische Diffusion an der Etablierung der Viehwirtschaft in der Steppe beteiligt waren. Die durchweg niedrigen FST-Werte zwischen der frühbronzezeitlichen Jamnaja-Kultur in der Steppe und den aufeinanderfolgenden neolithischen Kulturen Mitteleuropas sprechen für regelmäßige Kontakte. Die der Jamnaja-Kultur nachfolgende Katakombengrabkultur ist von einem hohen Anteil der in nord- und osteuropäischen Jäger/Sammler-Populationen verbreiteten Haplogruppe U4 geprägt. Niedrige FST-Werte zwischen den prähistorischen Steppenpopulationen und der heutigen Bevölkerung Mittel- und Osteuropas weisen auf genetische Kontinuität hin. Die nukleären Genotypenfrequenzen bestätigt dies. Der moderne europäische Genpool lässt sich nach aktuellem Kenntnisstand auf drei Wurzeln zurückführen: indigene Mesolithiker, frühe Bauern aus dem Nahen Osten und eine nordeurasische Komponente jungpalaeolithischen Ursprungs. Letztere könnte vielleicht über die nordpontische Population in das Erbgut spätneolithischer Europäer gelangt sein.

Kurzfassung in

This dissertation presents the first genetic study of prehistoric populations in the Pontic-Caspian steppe from the Upper Thracian Plain to the Volga. Mitochondrial hypervariable region I and parts of the coding region were analysed in 65 Eneolithic and Bronze Age individuals using multiplex PCR and 454 sequencing. Additionally genotypes from up to 20 putatively naturally selected autosomal SNPs and a sex-specific locus were obtained. Published ancient DNA data from West Eurasia and modern DNA sequences were consulted for comparison. The results support the inference that early Neolithic farmers from Southeast Europe were involved in establishing pastoralism in the steppes by demic diffusion. The consistently low FST values between the Yamnaya Culture of the steppe and a succession of Neolithic cultures in Central Europe suggest frequent contacts. The Catacomb Culture, successor of the Yamnaya Culture, is characterised by a high incidence of haplogroup U4, which is common in North and East European hunter/gatherer populations. Low FSTs between the prehistoric steppe populations and modern European populations indicate genetic continuity. This is supported by nuclear genotype frequencies. According to current knowledge the modern European gene pool can be explained by three roots: indigenous Mesolithic hunter-gatherers, early farmers from the Near East, and an ancient North Eurasian component of Upper Palaeolithic origin. The third ancestry component might have been introduced into the late Neolithic European genome by the North Pontic population.

Institut: Institut für Anthropologie
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
DFG-Fachkolegium:
Ort: Mainz
Verlag: Univ.
Dokumentart: Buch
Quelle: Mainz : Univ.
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 03.02.2015

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